Vielfältig, aber nicht beliebig
Dr. David – Kunstraum Wien

 

Die in Ybbs an der Donau geborene Künstlerin Margot Holzapfel entdeckte bereits als Kind ihre Liebe zur Malerei. Papier und Farbe waren ihre ständigen Begleiter. Ihre Kreativität und Schaffensfreude vereinte sie in späteren Jahren als gelernte Tischlermeisterin gekonnt mit ihrer beruflichen Laufbahn.

Man sieht sich in einem Farben- und Formenrausch, in bewegten und schimmernden Welten, wenn man sich in das Atelier von Margot Holzapfel begibt. Da findet sich nichts Düsteres oder Erschreckenden, keine Grausamkeit und keine Provokation. Die Vielfalt der Themen und Darstellungsformen ist eindrucksvoll. Die Bilder sind phantasievolle und dynamische Kompilationen von Impressionen, die die Künstlerin in ihrem unmittelbaren Umfeld, aber auch bei Reisen und später in ihrem Herzen und in ihrer Erinnerung findet.

Der Auswahl der Sujets ist anzumerken, dass es sich nicht um beliebige Eindrücke von Objekten, sondern eben um Subjekte handelt, um Bedeutendes. Daraus wird dann zielstrebig und geleitet von ihrem inneren Schwung (dem der Motive oder dem der Schaffenden?) zu Leinwand oder Papier gebracht, was berührt und anregt.

Dabei geht es Margot Holzapfel aber nicht um die Abbildung einer Realität, nicht um die naturgetreue Wiedergabe einer Landschaft, einer Stadt, eines Gegenstandes, sondern vielmehr um die Entdeckung und das Festhalten der Essenz, die charakteristische Begegnung, die innere Dynamik. Fast meint man auch etwas aus den Farben heraushören zu können, ihre Quellen und ihren Rhythmus zu spüren. Da gibt es auch nichts Verborgenes, keine Geheimnisse; Erotik, Leidenschaft, Freude am Leben und an der Lebendigkeit sind offensichtlich.

Die Künstlerin experimentiert mit Formen, Farben und Materialien. Was immer das Auge anspricht wird zum Motiv und damit auch zum movens – dem Antrieb, den inneren Schwung weiterzugeben und andere daran teilhaben zu lassen. In ihrer Heimatstadt Ybbs ist ihr Wirken vielfältig im öffentlichen Raum und in Institutionen und Betrieben sichtbar.

Erstmals stellt die Künstlerin nun auch in Wien im Kunstraum Dr. David aus. Unter dem Titel „Vertraute Fremde“ sind neue Blickwinkel auf vertraut scheinende Figuren, aber auch überraschend bekannt wirkende Ansichten von fremden Städten und Menschen zu finden.

Da wir – wie die Gestalttherapie postuliert – unsere Wahrnehmung durch Ähnlichkeiten und Unterschiede strukturieren und beiden die gleiche wertschätzende Aufmerksamkeit zukommen lassen sollten, ist dies die Möglichkeit, nicht nur die Welt, sondern auch uns selbst mit anderen, wohlwollenden Augen zu sehen.